Der Pirol brütet in reich gegliederten, lockeren Baumbeständen mit hohen Einzelbäumen. Die geeigneten sommerwarmen Brutgebiete liegen meist unter 600 m. In der Schweiz findet man den Pirol vor allem in Gewässernähe in laubholzreichen Auenwäldern, Bruchwäldern, Pappelpflanzungen, Windschutzstreifen und an Waldrändern. Die höchsten Dichten mit mehr als 3 Revieren/km2 erreicht der Pirol am Genfersee, am Jurasüdfuss und an der nördlichen Landesgrenze von der Ajoie JU bis zum Bodensee. Lokal dringt er auch in höhere Regionen vor. Dies belegen Brutnachweise bei Lutry VD auf 700 m (2014; M. Dvorak) und Chavannes-sous-Orsonnens FR auf 650 m (2013 und 2015; M. Barbey), aber auch Sänger in geeigneten Lebensräumen bei Mont-la-Ville VD auf 950 m (16. Juni 2015; Y. Menétrey), Longirod VD auf 930 m (16./25. Mai 2016; C. Venetz) und Filisur GR auf 1180 m (24.–25. Juni 2013; M. Ambühl, B. Ottmer). Dass sich die Art in diesen Höhen fortpflanzen kann, ist spätestens seit dem Brutnachweis von 1975 bei Osco TI auf 1160 m bekannt. Seit 1993–1996 hat der Pirol sein Areal in der Schweiz etwas erweitert, vor allem an den Rändern bereits besiedelter Gebiete. Der Bestand ist von 1993 bis 2007 um rund 30 % gewachsen und seither stabil. Regionale Kartierungen in der Schweiz, aber auch Erhebungen in den Nachbarländern weisen auf leicht steigende Tendenzen oder stabile Verhältnisse hin.

Positive Einflüsse auf die Verbreitung und die Bestandsdynamik des Pirols schreibt man im Ausland neben der Klimaerwärmung auch der Laubholzförderung zu. Dies dürfte für die Schweiz ebenfalls zutreffen, denn seit den Achtzigerjahren hat der Flächenanteil laubholzdominierter und piroltauglicher Waldbestände im Mittelland, im Jura und in den Voralpen bis 700 m Höhe von 43 auf 58 % zugenommen, zwischen 700 und 1200 m immerhin von 23 auf 34 %. Der Bestandsanstieg am Aargauer Hochrhein etwa dürfte vor allem mit der Laubholzförderung nach dem Sturm «Lothar» von Ende 1999 zusammenhängen. Zum deutlichen Rückgang im Kanton Genf könnten allenfalls grossflächig verstärkte forstliche Eingriffe beigetragen haben. Mittelfristig gelten die Perspektiven für den Pirol hier aber als gut.

Quelle: www.vogelwarte.ch